AHS Zentralmatura - Frequently Asked Questions

Der Prüfungsmodus

Was genau ist eigentlich eine Zentralmatura?

Das ist eine Reifeprüfung, die einerseits für alle die gleichen Rahmenbedingungen bieten soll, und andererseits die Matura selbst auch besser vergleichbar machen soll. Dadurch soll gewährleistet werden, dass jeder Maturant ein gewisses Mindestniveau beherrscht. Das ist beispielsweise für Fachhochschulen oder Arbeitgeber wichtig, die sich darauf verlassen können sollen, dass zwei Bewerber mit bestandener Matura auch in etwa das gleiche können, egal an welchem Gymnasium oder in welchem Bundesland sie die Reifeprüfung abgelegt haben.

Wie läuft die schriftliche Reifeprüfung in Mathematik ab?

Die schriftliche Mathe-Matura besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält 24 Aufgaben, die den so genannten Grundkompetenzen zugeordnet werden können. Teil 2 besteht aus den vernetzten Aufgaben, die mehrere Grundkompetenzen miteinander verbinden. Man könnte auch einfach Textaufgaben sagen, aber das ist sooo 2013.

Gehts nicht etwas genauer?

Nein. OK, ein bisschen. Mit der Einführung der Zentralmatura bis 2018 wurden Teil 1 und Teil 2 getrennt ausgegeben.; das heißt, man musste den ersten Teil nach spätestens 150 Minuten abgeben und hat nach Ablauf dieser Zeit den zweiten Teil ausgeteilt bekommen. Das wurde aber zusammen mit der Bewertung (siehe unten) reformiert, um den Schülern mehr Freiheit in der Zeiteinteilung und Bearbeitung zu geben – und auch, um den Teil-2-Aufgaben eine größere Bedeutung zu geben. Seit Mai 2019 bekommt man daher beide Teile zusammen ausgeteilt und hat für die Bearbeitung die vollen 270 Minuten zur Verfügung und kann/muss sich diese frei einteilen.

Teil 1, Teil 2 – was soll das? Ist das wichtig?

Jein. Die Mathematik ist natürlich dieselbe, aber die Gestaltung der Aufgaben ist etwas anders. Außerdem macht es für die Note einen Unterschied, in welchem Abschnitt man wie viel Punkte hat!

Es macht also einen Unterschied, welche Fragen ich (richtig) beantworte?

Klingt komisch, ist aber so. Am Anfang war es so, dass man im ersten Teil mindestens 16 Punkte erreichen musste, um die Matura zu schaffen, Teil 2 war dann nur noch Notenkosmetik. Das heißt, selbst mit vollen 24 Punkten aus Teil 2, aber nur elf (von 24) Punkten in Teil 1, war man negativ, obwohl man über 70 Prozent aller Punkte hatte. Das wurde zurecht reformiert, um eine Schieflage zwischen Leistung und Benotung zu korrigieren. Deshalb wurde das etwas aufgeweicht. Die alte Regelung gilt zwar grundsätzlich immer noch. Allerdings ist es jetzt auch möglich, positiv zu sein, wenn man insgesamt die Hälfte aller Punkte erreicht, egal wie viele davon aus welchem Teil der Prüfung stammen.

Muss das so kompliziert sein?

Vermutlich nicht. Aber es wird dadurch noch skurriler. Stellen wir uns vor, Tanja erreicht genau 16 Punkte im ersten Teil und verwendet dafür die volle Zeit, hat also keine Zeit mehr für Teil 2. Das ist völlig belanglos, weil sie genug Punkte hat, um nach der alten Zählung zu bestehen. Lukas hat beide Teile bearbeitet und 15 Punkte im ersten Teil. Im zweiten Teil hat es nur für 8 Punkte gereicht, also insgesamt 23. Immerhin sieben Punkte mehr als Tanja. Trotzdem hat Lukas ein Nicht genügend, weil er weniger als die Hälfte insgesamt und auch im Teil 1 einen Punkt zu wenig hat. Verrückt, oder?

Wer überlegt sich denn sowas?

Das Bildungsministerium bzw. die Leute, die man oft nur als „die vom bifie“ bezeichnet. Aber es wird noch verwirrender. In Teil 2 gibt es vier so genannte Ausgleichspunkte, die zu Teil 1 gezählt werden dürfen. Das heißt, wenn Lukas aus unserem Beispiel oben einen der Ausgleichspunkte erreicht hat, dann wird dieser zu seinen 15 Punkten gezählt. Dann hat er offiziell 16 Punkte im ersten Teil und damit die Matura bestanden!

Wie viele Punkte brauche ich denn nun um die Matura zu bestehen?

Es können im ersten Teil maximal 24 Punkte erreicht werden.
Im zweiten Teil gibt es vier „Ausgleichspunkte“, die zum ersten Teil gezählt werden. Das heißt, nach alter Zählung kann man mit 16 von diesen insgesamt 28 Punkten positiv sein.
Außerdem gibt es noch weitere 20 Punkte im zweiten Teil – also insgesamt 48. Wer 24 Punkte oder mehr erreicht (egal, ob aus Teil 1 oder Teil 2), hat auf jeden Fall bestanden!

Worauf soll ich mich dann konzentrieren?

Früher hat man gesagt, „mach zuerst, was du kannst, dann den Rest“. Das ist immer noch eine ganz gute Strategie. Außerdem hat Teil 1 durch diesen Modus immer noch mehr Gewicht als Teil 2. Ein guter Fahrplan für die 270 Minuten könnte also so aussehen:

  • Teil 1 durchgehen und beantworten, was man (ziemlich) sicher weiß.
  • Die Ausgleichsfragen aus Teil 2 beantworten.
  • Teil 1 fertig machen.
  • Teil 2 fertig machen.

Der Prüfungsstoff

Was muss ich denn alles lernen? Ist es derselbe Stoff für beide Prüfungsteile?

Ja, der Stoff ist für beide Teile gleich. Er besteht aus den vier großen Kompetenz-Kapiteln AG, FA, AN, WS. Die teilen sich dann in kleinere Kapitel auf. Zum Beispiel besteht WS aus der Kompetenz Statistik (WS 1) und verschiedenen Arten von Wahrscheinlichkeitsrechnung (WS 2 bis WS 4). Im ersten Teil kann aber (offiziell) jede Frage zu genau einer Grundkompetenz zugeordnet werden. Im Teil 2 werden sie auch vermischt, das heißt, man braucht zur Beantwortung einer Frage manchmal Wissen aus zwei oder drei Grundkompetenzen.

Kommt also aus jeder Kompetenz eine Frage?

Nein, das geht sich auch gar nicht aus. Die vier großen Kapitel unterteilen sich in insgesamt knapp über 70 Unter-Kompetenzen, aber es sind ja nur 24 Fragen in Teil 1.
Aber – das ist zwar nicht offiziell – bisher kamen aus jedem Kapitel immer genau sechs Fragen. Man darf davon ausgehen, dass das so beibehalten wird, damit die Prüfung wirklich einen breiten Stoffbereich abdeckt.

Gibt es etwas, das immer kommt?

Offiziell natürlich nicht. Aber auch hier kann man Dinge beobachten. Zum Beispiel war Frage 24 bisher immer eine Frage zu Konfidenzintervallen (WS 4). Es gibt keinen Grund, dass das plötzlich anders sein sollte. Im Allgemeinen schwankt die Zahl der bisherigen Beispiele in den verschiedenen Themenbereichen aber schon (mehr dazu in unserer Matura-Statistik).

Moment mal, ich brauche (mind.) 16 Punkte für ein Genügend und drei mal sechs ist sechz..ääh..achtzehn. Das heißt, ich kann ein Kapitel weglassen!?

Theoretisch, ja. Aber das ist nicht sehr empfehlenswert. Erstens ist der Puffer nicht sehr groß. 18 ist nur um zwei größer als 16 und somit dürfte man nur maximal zwei Fehler machen, sonst muss man schon drauf hoffen, dass man Ausgleichspunkte bekommt oder sonst mindestens neun Punkte in Teil 2. Zweitens ist Mathematik immer noch aufbauend. Das heißt, wenn man ein Viertel(!) des Stoffs nicht lernt, wird man mehr Probleme haben, die restlichen drei Viertel zu verstehen. Also bitte lieber etwas früher lernen und nichts auslassen als die Matura zum Glücksspiel werden zu lassen (mehr zum Thema Glücksspiel übrigens in WS ;D ).

Okay, okay – aber es ist schon viel, wie und wo fang ich an?

Gute Frage, die Unterteilung der vier großen Kapitel ist kein so schlechter Anhaltspunkt.
AG enthält viele Grundlagen (Gleichungen, Gleichungssysteme) und Kapitel, für die man kaum Vorwissen braucht (Vektoren, Trigonometrie). Das eignet sich gut als Anfang, genauso wie WS 1 und WS 2. Der Rest ist dann relativ frei und halbwegs vernünftig geordnet.
Es ist meist ratsam, sich an der Nummerierung zu orientieren, also zum Beispiel nicht AN 3 vor AN 1 zu lernen. Man würde dadurch einiges nicht verstehen. Ich glaube, ich habs schon erwähnt, Mathe ist relativ aufbauend.

Das klingt immer noch nach einer ganzen Menge. Muss ich das alles auswendig wissen?

Idealerweise, ja. Aber Mathematik und auch die Mathe-Matura ist keine Weltmeisterschaft im Auswendiglernen. Es geht mehr darum, durch ein paar logische Gedankenschritte, Skizzen und Berechnungen die richtigen von den falschen Antworten zu trennen. Für das, was man nicht auswendig weiß, steht einem eine Formelsammlung zur Verfügung. Diese wird mittlerweile genormt vom Bildungsministerium zur Verfügung gestellt und kann auf der offiziellen Website der Reifeprüfung heruntergeladen und ausgedruckt werden. Ab 2019 ist dies auch die einzige zugelassene Formelsammlung.

...und ich hab ja auch noch meinen Taschenrechner!

Stimmt. Aber nicht nur den: die meisten Schulen verwenden ja auch Geogebra bzw. den quasi-allmächtigen Ti-nSpire. Beide können alles, was auch herkömmliche Taschenrechner können, aber darüber hinaus, Gleichungen lösen, Graphen zeichnen und vieles mehr.
Das eignet sich einerseits sehr gut, um Sachverhalte zu überprüfen, aber auch um sehr viel Zeit zu sparen. Grade GeoGebra ist hier sehr intuitiv zu bedienen und hat für fast alles Wichtige einen Befehl, der auf Knopfdruck Ergebnisse liefert – aber natürlich das Verständnis und logische Denken nicht ganz ersetzen kann.

Da dieses Thema für uns auch eine große Brisanz hat, planen wir demnächst eine um GeoGebra-Befehle erweiterte Formelsammlung zu erstellen. Für weitere Infos, treten Sie gerne mit uns in Kontakt.

Gibt es eigentlich auch halbe Punkte?

Ja! Ebenfalls neu seit Mai 2019 ist die Möglichkeit, auf gewisse Aufgabenformate nicht nur mit null oder einem Punkt auszusteigen, sondern auch mit einem halben Punkt. Bisher waren das meist nur einige wenige Aufgaben pro Antritt (Stand 2020), was bedeutet, dass man mit zwei halb richtigen Antworten insgesamt einen statt keinen Punkt bekommen kann –  was für den einen oder anderen sicherlich den Unterschied zwischen zwei Noten und damit auch zwischen Durchfallen und Bestehen bedeuten kann.